Informeller Planungsverband Erkelenz, Mönchengladbach, Jüchen, Titz
pfeilbraunInformeller Planungsverband Erkelenz, Mönchengladbach, Jüchen, Titz

Informeller Planungsverband Erkelenz, Mönchengladbach, Jüchen und Titz

Gründung und Zielsetzung

Planungsverband Erkelenz, Mönchengladbach, Jüchen und Titz

Gründung und Zielsetzung


Im Braunkohlenplan Garzweiler II wurden von der Landesregierung zahlreiche Regelungen zum Abbau der Braunkohle getroffen. Dabei wurde eine Betrachtung der Tagebaurandgemeinden sowie der angrenzenden Gebiete weitestgehend außen vor gelassen. Entsprechend bestehen nur wenige Zielsetzungen, wie diese vor den Auswirkungen nachhaltig geschützt werden. Die zukünftige Lage am Tagebaurand bedeutet vor allem für die dort liegenden Ortschaften eine neue Herausforderung. Die Nähe zur Abbaugrenze birgt Ungewissheiten hinsichtlich möglicher Belastungen durch die Tagebautätigkeit in naher Zukunft. Erst in ferner Zukunft bieten sich dagegen Entwicklungsoptionen in Abhängigkeit der Tagebaufolgelandschaft. Bis dahin ist es erforderlich, dass sich die betroffenen Städte und Gemeinden nachhaltig und unter Beteiligung der Bürger auf die Zukunft vorbereiten. Anlass zur Gründung des informellen Planungsverbandes ist daher das Ziel, die Auswirkungen des Tagebaus Garzweiler II zu erfassen und ihnen planerisch zu begegnen, mögliche negative Folgen mindern oder verhindern und sich mit raumentwickelnden Perspektiven auseinanderzusetzen.

Aus diesem Anlass wurde nach eineinhalb-jähriger Vorarbeit in den Jahren 2013 und 2014 der informelle Planungsverband am 19.11.2014 mit einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung auf den Weg gebracht und anschließend durch die zuständigen kommunalen Gremien konstituiert, um eine zukunftsfähige Entwicklung der Region im Umfeld des Tagebaus und mit diesem zu erreichen. Die Geschäftsstelle des informellen Planungsverbandes liegt bei der Stadt Erkelenz. Von hier aus werden alle Aktivitäten koordiniert. Neben der inhaltlichen Arbeit an den zu entwickelnden Perspektiven für die Region wird der ständige Kontakt mit unterschiedlichen Akteuren aus der Bevölkerung, Politik und relevanten Fachgebieten gepflegt. Ständig beraten wird der informelle Planungsverband von der Region Köln/ Bonn e.V. Der Verein berät Kommunen bei Themen wie der regionalen Zusammenarbeit und Strukturentwicklung. Er stimmt regionalpolitische Grundsatzfragen und Handlungsfelder in der Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Köln und dem Land Nordrhein-Westfalen ab und informiert über Fördermittelangebote.

 

 Gebiet Planungsverband

Abb.: Gebiet des informellen Planungsverbands, Quelle: eigene Grafik,
Kartengrundlage: http://www.tim-online.nrw.de/tom-online/mobile/timobile.html


Finanzierung


Die vom Vorhaben Tagebau Garzweiler unmittelbar betroffenen Abbau‐ und Betriebsflächen sind für eine weitergehende Nutzung als Wirtschafts‐ oder Wohnfläche nur eingeschränkt nutzbar. Die Fläche der sog. Bergbaufolgelandschaft der Abbaufelder Garzweiler I/II beläuft sich auf ca. 100 Quadratkilometer, alleine Garzweiler II, östlich der mittlerweile abgebaggerten Trasse der Autobahn A 44, umfasst ca. 65 Quadratkilometer. Die Region des informellen Planungsverbandes Garzweiler benötigt zusätzliche Impulse im Bereich Gewerbe‐ und Industrieflächen, um eine alternative wirtschaftliche Entwicklung der Region und eine Kompensation der mit dem Abbau verloren gehenden Flächen sowie der langfristig betroffenen Arbeitsplätze zu ermöglichen. Sukzessive werden durch den Tagebau Garzweiler und die Kraftwerke direkt 3.900 Arbeitsplätze zu betrachten sein. In Addition mit den induzierten und den indirekt betroffenen Arbeitsplätzen werden ca. 8.200 Arbeitsplätze betroffen sein.

Dies hat auch die Landesregierung erkannt und dem informellen Planungsverband nach einigen vorbereitenden Gesprächen eine finanzielle Unterstützung über Fördermittel bei der Erstellung eines Masterplans ermöglicht. Auch die RWE Power AG unterstützt die Arbeiten des informellen Planungsverbandes mit know-how sowie einem finanziellen Beitrag. Zusammen mit den kommunalen Anteilen der Städte Erkelenz, Mönchengladbach sowie der Gemeinden Jüchen und Titz ist so die Erstellung einer Raumentwicklungsperspektive möglich, die als Startschuss für die zukünftige Entwicklung des Gebietes eine Vielzahl an Ideen und Projekten hervorbringen soll.


Planungsprozess


Die bisherige interkommunale Zusammenarbeit wird in Form von Arbeitskreisen von den Verwaltungsspitzen und Mitarbeitern der vier Kommunen getragen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist die zukunftsfähige Entwicklung der Region im Umfeld des Braunkohlentagebaus. Vor diesem Hintergrund haben die Kommunen einen Planungsprozess eingeläutet, dieser mündete in einer Planungswerkstatt, die im Zeitraum vom 05.09.2016 bis zum 09.09.2016, im Rittergut Wildenrath in Wanlo stattgefunden hat. Dabei sollten die unterschiedlichen Herausforderungen und Zielvorstellungen des Betrachtungsraumes in einem Handlungsrahmen miteinander in Beziehung gesetzt werden und in ein „Drehbuch“ münden, welches die Grundlage für alle weiteren planerischen Schritte bis zum Jahr 2035 bilden wird.


Erste Ergebnisse


Der Planungsprozess wurde begleitet vom Duisburger Büro plan b, vier Planungsteams wurden für die Werkstattwoche in Wanlo beauftragt sowie weitere Experten als Berater hinzugezogen. Dabei lieferte die Werkstatt sowohl eine langfristige Perspektive für den Gesamtraum als auch daraus abgeleitete und bereits kurzfristig umsetzbare Projektideen. Die im Rahmen der Planungswerkstatt entwickelten Vorschläge fokussieren sich auf das Umfeld des Tagebaus sowie das Tagebaugebiet selbst – die vorgeschlagenen Verknüpfungen zu bestehenden Strukturen (Tagebau Hambach und Inden, Verkehrsnetz, Naturräume etc.) reichen jedoch weit in die Region hinein.

Die grundsätzliche Planungsidee beinhaltet Strategien in vier Bereichen:

  • landschaftliche Strategien (Landschaftsbild, Orientierungspunkte, neue Ansätze für Rekultivierung, Vernetzung von Freiraum und Landschaft, Wassererlebnis, Orte der Identität, Genusslandschaften, …),
  • städtebauliche Strategien (Siedlungsbild und Siedlungsentwicklung im ländlichen Raum, Thema Seerand, Neue Siedlungsflächen ermöglichen, Revitalisierung/ Stärkung alter Ortskerne, …),
  • wirtschaftliche Strategien (Infrastrukturverbesserungen, Dorfinfrastrukturen fördern/ beleben, Gewerbe, Start‐Ups, Innovationszentren, erneuerbare Energien, …),
  • soziale Strategien (aktiver und kreativer Umgang mit ‚Abschied und Erinnerung‘ verlorener Orte und Landschaft, Kommunikationszentren, Stärkung des Zusammenhalts von Dorf, Bewohner, Familie, Vereinen, …)

                        

Die konzeptionellen Ansätze und räumlichen Ankerpunkte adressieren unterschiedliche Umsetzungsebenen. Diese müssen im weiteren Planungsprozess vertieft und weiter ausgearbeitet werden. Aufbauend auf den vier genannten Strategiefeldern soll sich die Tagebaufolgelandschaft auf Grundlage eines räumlichen Konzepts entwickeln:

  • Das grüne Band: Dieses Band umgibt das gesamte Gebiet und schafft mit vorhandenen sowie neuen Elementen und Strukturen eine grüne Infrastruktur. Der Tagebau wird an seinen Schwellen als Attraktion inszeniert und bildet durch unterschiedlich genutzte Frei- und Landschaftsräume an der Tagebaukante eine Attraktion in der Region. Das grüne Band ist begehbar und soll per Radschnellweg auch im wörtlichen Sinn erfahrbar werden. Es verbindet neben Landschaftsteilen auch die Orte im Tagebauumfeld.
  • Drei Landschaften: Innerhalb des grünen Bands entstehen, drei Landschaften mit unterschiedlichen Qualitäten.       

         

Die erste Landschaft ist die Reallabor‐Landschaft im Bereich östlich der neuen A 44 n. Sie stellt einen vielfältigen Experimentierraum dar, z.B. für Gewerbe, neue Energieformen, temporäre Nutzungen und Land(wirt)schaftsprojekte.

Die zweite Landschaft – das Innovation Valley - ist eine vielgestaltige, offene Landschaft im Bereich zwischen den Autobahnen 61 und 44 n, mit Terrassen, Feucht‐ und Trockenzonen. Sie stellt innerhalb der drei Landschaften das grüne Herz dar. Zum zukünftigen See hin bietet sie Raum für neue Wirtschafts‐ und Wohnstandorte. Auch Einrichtungen für Forschung, das Gesundheitswesen, Dienstleistungen können in dieser attraktiven Landschaft Platz finden. Die Topographie der Hügellandschaft ermöglicht vielfältige Aussichten.

Die dritte Landschaft: das nahende Tagebauloch und der zukünftige See. Gerade die Zwischenphase ermöglicht viel Raum für temporäre Nutzungen. Der See selbst stellt  einen überregional wirkenden Anziehungspunkt dar, birgt großes Potential für Naherholung, Freizeit und Ökologie und wird Entwicklungen in seinem direkten Umfeld positiv beeinflussen.

 raumliche Vision

Abb.: Räumliche Vision für die Tagebaufolgelandschaft (Quelle: Stadt Erkelenz)

drei landschaften gruener ring

Abb.: Drei Landschaften und das grüne Band (Quelle: Stadt Erkelenz)

Innerhalb dieser räumlichen Konzeption auf der Basis der genannten Strategiefelder hat die Werkstatt unterschiedliche Ideen und Vorschläge gemacht. Diese Vielzahl an Anregungen zeigen, dass die Entwicklung der Tagebaufolgelandschaft Garzweiler die Chance bietet etwas Neues und Unverwechselbares zu schaffen von der die Region profitieren kann.

Dazu soll sich die interkommunale Zusammenarbeit in Zukunft noch weiterentwickeln. Die Räte der vier Kommunen beschlossen bereits 2014, dass in einer nächsten Stufe die Vorbereitungen zur Gründung eines interkommunalen Zweckverbands zwischen den Städten Mönchengladbach, Erkelenz und den Gemeinden Jüchen und Titz angestrebt wird, um die vertrauensvolle und kontinuierliche Zusammenarbeit weiter zu formalisieren und die gesteckten Ziele effektiver umsetzen zu können. Grundsätzliches Ziel ist es, die im Rahmen der gemeinsamen Planungen notwendige u.a. wirtschaftliche Tätigkeit besser zu organisieren und eine Institution zu schaffen, die die gemeinsamen Ziele der vier Kommunen nach außen hin vertritt.