Geschichte
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Anmerkung:
Der folgende Text wurde verfasst anlässlich der 25 Jahresfeier zur kommunalen Neugliederung der Stadt Erkelenz.
Autorin: Angela Peschen, Leiterin der Bibliothek, -  seit dem 28.04.2007 Stadtbücherei Erkelenz

Kreis- und Stadtbücherei Erkelenz
- Kontinuität einer Idee

Zum Zeitpunkt der kommunalen Neugliederung der Stadt Erkelenz blickte die Kreis- und Stadtbücherei gleichen Namens zwar bereits auf etwa 19 Jahre Geschichte zurück, befand sich jedoch quasi  in einem Dornröschenschlaf.

 

Zwei Wurzeln sind für die heutige Bibliothek zu nennen , so dass die eindeutige Fixierung eines Gründungsjahres der öffentlichen Bibliothek in Erkelenz nicht möglich ist.

 

1941 veröffentlichte die Stadtverwaltung eine Notiz in "Heimat und Volk, Erkelenzer Jahrbuch", welche auf die Nutzungsmöglichkeit von 3.000 Bänden verwies. Diese erste Stadtbücherei wurde allerdings, möglicherweise aus ideologischen Gründen, wenig angenommen und geriet nach dem Krieg ganz in Vergessenheit.

 

1946 griff jedoch der Kreis Erkelenz die Idee wieder auf und gründete, fachlich unterstützt von der Bezirksregierung, im ehemaligen Landratsamt eine öffentliche Bücherei, eng verbunden mit dem Büro des Volksbildungswerkes, der späteren Volkshochschule. Zwar war auch diese ab 1949 wieder verwaist, diesmal jedoch blieb der Gedanke haften, und nach Verhandlungen zwischen Kreis und Stadt Erkelenz kam es 1953 zur Wiederaufnahme des Betriebs Bücherei.

 

1955 schließlich fundierte ein Vertrag die weitere Entwicklung unter der nunmehrigen Bezeichnung "Kreis- und Stadtbücherei Erkelenz". Die Eröffnung erfolgte am 03. Oktober mit rund 3.000 Büchern aus den Bereichen Kinder/Jugendliteratur sowie Literatur für Erwachsene, nutzbar gemacht in der damals ganz neuen Form der Freihandaufstellung. Der Bevölkerung sollte die Möglichkeit geboten werden, gute, geschmackvolle Literatur in zwangloser Form auswählen zu können. Die Zusammenlegung von Kreis- und Stadtbücherei sollte mit der Maßgabe geschehen, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Umlandes mit Literatur zu versehen, sowohl zur Aus- und Fortbildung, als auch zur Bereicherung der Freizeit. Die Unterbringung erfolgte unscheinbar in zwei Büroräumen des Rathauses, als Fläche standen zu Anfang nur etwa 40 qm zur Verfügung, wie einem Bericht der Westdeutschen Zeitung vom 30. September 1955 zu entnehmen ist, durch kontinuierliches Wachstum waren es zuletzt 120 qm..

 

1979 gilt als Zäsur in der Entwicklung der Erkelenzer öffentlichen Bücherei. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte sich endlich zur Realisation der Bibliotheksförderung in größerem Stil entschlossen, nachdem bereits1973 Leitgedanken in den 'Empfehlungen zum Aufbau des Bibliothekswesens in NRW' benannt worden waren. Finanziell wurden den Kommunen größere Summen für den Bau, die Einrichtung und den Unterhalt von Bibliotheken in Aussicht gestellt, natürlich bei entsprechendem Entgegenkommen derselben. Weitsichtige Verantwortliche in Erkelenz erkannten die Gunst der Stunde und meldeten ihre eher im Dornröschenschlaf dämmernde Bücherei zur Förderung an.

 

Mit Hilfe der Staatlichen Büchereistelle Aachen, deren fachliche Hilfe bereits von Beginn an die Arbeit der Kreisbücherei begleitet hatte, wurden Vorstellungen entwickelt und konkrete Ziele benannt. Daraus resultierend erfolgte zunächst wieder die Einstellung einer fachlichen Leitung in Vollzeit, eine Grundvoraussetzung für das Gelingen des qualifizierten Aufbaus. Der Etat zur Erwerbung von Medien wurde den Richtlinien entsprechend aufgestockt, wie auch neben den traditionellen Monographien das Medienspektrum erweitert wurde, nämlich um Musikkassetten, Zeitungen und Zeitschriften, für andere fehlte der Platz.

 

Diese Investitionen hatten natürlich positiv zur Folge, dass sich für die Nutzer sichtbar das Angebot nicht nur optisch runderneuert darstellte, sondern gleichzeitig das Niveau deutlich verbessert werden konnte. Die Erkelenzer Bücherei wurde nicht nur dem Namen nach 'Mittelpunktbibliothek', sie löste nunmehr das Votum ein, sowohl die Grundversorgung vor Ort zu leisten, als auch den einen oder anderen Service darüber hinaus.

 

1979 war somit eine Entwicklung angestoßen, die schnell aufblühte und ihre Förderer in Zugzwang setzte. Wie eine neue botanische Kultur unter gärtnerisch günstigen Bedingungen optimal gedeiht, mußte auch die Pflanze Kreis- und Stadtbücherei bald umgetopft werden, sollten die Investitionen nicht sinnlos gewesen sein. Eine Diskussion zur Erweiterung der Räumlichkeiten im Rathaus schied von vornherein aus. Im Gegenteil, die Verwaltung schielte ihrerseits begehrlich auf den Raum, den die Bibliothek innehatte, zwecks eigener Erweiterung. Ein Neubau wurde als einzige Lösung erkannt. Dieses Thema war fast so alt wie die Institution selbst, es wurde jedoch auch diesmal noch einmal vertagt, die weitere Prosperität sollte für sich sprechen.

 

1981 musste schließlich ad hoc gehandelt werden, und als Zwischenlösung entschied man sich für die provisorische Herrichtung des sogenannten "Weißen Hauses", 1989 endgültig zur Leonhardskapelle restauriert. Zur Zeit des Umzugs der Bibliothek bot das wenig geeignete Gebäude exakt so viele Quadratmeter wie vorher zur Verfügung standen und ebenfalls keinerlei Nebenräume. Als Notbehelf wurden zusätzlich 80 qm durch Installation von Schnellbauwänden geschaffen. Jetzt waren etwa rund 30.000 Medieneinheiten auf 200 qm untergebracht. Wiederum mussten Bücher unter Regalen, auf Fensterbänken etc. gestapelt werden, angelieferte Bücherkisten wurden zu Stolperfallen, Beratungsgespräche entfielen. Die Nutzer blieben geduldig, der Zustand während der Ausleihzeiten sprach jedoch für sich. Selbstredend konnte neben der reinen Ausgabe von Medien keinerlei begleitende Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden.

 

Die Verantwortlichen ergriffen nun nachdrücklicher als bisher die Initiative und drängten auf Verbesserung. Und wieder mussten sie mühsam für die Idee "Bibliothek für alle" werben, denn nach wie vor blockierten Neinsager die Realisierung eines eigenen Büchereiprojekts nach dem Motto: Wer geht denn da schon hin? Exkursionen zu vergleichbaren Einrichtungen waren bereits 1979 erfolgt im Hinblick auf den Gedanken zur Installation einer Mittelpunktbibliothek, die modernen Anforderungen entsprechen sollte. Jetzt wurden die Eindrücke ins Gedächtnis gerufen. Ein Konsens zur Erstellung eines Neubaus blieb das erste Resultat, die Frage des 'Wohin' sorgte dann erneut für Furore. Der zunächst in die Debatte gekommene Johannismarkt als Standort war die Initialzündung und hätte fast das 'Aus' bedeutet. Zwar war dieser Markt bis in die letzten Kriegstage bebaut, doch inzwischen hatte man sich an die neue Platzgestaltung gewöhnt, mit freiem Blick auf das Gotteshaus, da sollte kein wie auch immer genutztes Gebäude stören. Namhafte Architekten wie Gottfried Böhm u.a. erläuterten in einer Fragestunde ihre Vorschläge für eine Bebauung, konnten allerdings nicht überzeugen.

 

Nachdem also die markanten Plätze der Innenstadt nicht mehr zur Diskussion standen, auch der Markt selbst war ganz zu Anfang noch Gesprächsgegenstand gewesen und kam erst recht wegen seiner geringen Größe nicht in frage, musste eine neutrale Lösung gefunden werden.

 

Aus heutiger Sicht war die dem derzeitigen Standort vorangegangene Diskussion positiv, hatte sie doch zur Folge, dass eine bis dahin wenig beachtete Baulücke Gasthausstraße/Zehnthofweg aufgewertet wurde zu einem Platz eigener Güte. Nachdem nun die Standortfrage geklärt war, verlief die Diskussion um Raumbedarf unter anderem gemäßigter, aber genauso hart in der Sache. Schließlich folgte dem ersten Spatenstich am 19. Dezember 1985 am 11. März 1988 die Eröffnung des neuen Hauses, konnte der Architekt Peter Tillmanns dem Bürgemeister Willy Stein die Schlüssel für das Gebäude übereichen. Die Feierstunde geriet ausdrücklich zu einem Votum für eine nun qualitativ realisierbare Bibliotheksnutzung in ansprechenden Räumen. Dies wurde ebenfalls demonstriert mit der zeitgleich stattfindenden Einstellung einer zweiten bibliothekarischen Fachkraft unter der Maßgabe, neben der Betreuung der Kinder- und Jugendbibliothek besonders im Bereich Öffentlichkeitsarbeit kreativ zu werden.

 

Die sich heute dem Nutzer präsentierende Bibliothek lässt die Widerstände gegen ihre Realisierung kaum noch ahnen. Ihm bietet sich ein architektonisch gelungener Bau, der zusammen mit dem neu gestalteten Vorplatz und der 1989 restaurierten Leonhardskapelle zum Blickfang geworden ist. In bronzenen Lettern trägt das Haus seine Funktionsbezeichnung, ebenso weisen die Brunnenfiguren optisch auf die Nutzung hin. Um die mögliche Schwellenangst zukünftiger Nutzer abzubauen, sollte der Eingang möglichst einladend die Blicke auf sich ziehen. Der Architekt löste diese Forderung durch die Gestaltung des Glaskuppelbaus. Dieser ist zum einen transparent und mit den selbsttätig sich öffnenden Türen zudem behindertengerecht. Gleichzeitig dient der Vorbau noch als Windfang. Die hier platzierte Litfasssäule weist auf kulturelle Angebote in Erkelenz und Umgebung hin. Auch werden VHS-Angebote aufgehängt, Konzertveranstaltungen und Theateraufführungen in Mönchengladbach und vieles mehr.

 

Stadtbücherei ErkelenzEinmal durch die zweite Tür ins Innere des Hauses getreten, führt eine übersichtliche Beschilderung zu den  gewünschten Zielen, welches fürs erste zum Beispiel die Zeitschriftenecke mit Cafeteria sein kann. Eine besondere Infotafel im Eingangsbereich benennt genau, auf welcher Etage sich was befindet, natürlich kann der Besucher auch die persönliche Befragung wählen an der Verbuchungstheke direkt neben dem Eingang. Sowohl ein Aufzug, als auch ein großzügiges Treppenhaus sorgen für eine bequeme Begehung. Einmal wegen des knappen Baugrundes und auch wegen der umliegenden Bebauung erfolgte die Errichtung von vier Etagen und einem Dachgeschoss. Dem entspricht im Groben die Zuordnung der Nutzerkreise.

 

Im Untergeschoss wurde die Kinder-/Jugendbibliothek eingerichtet mit einer Bühne, die bei diversen Theateraufführungen, Autorenlesungen etc.genutzt werden kann. Hier herrschen kräftige, helle Farben vor, wie sie von dieser Altergruppe geschätzt werden. Reiche Dekorationen, meist selbstgefertigte Produkte aus eigenen Programmarbeiten, ziehen die Blicke auf sich und runden den freundlichen Charakter ab. Das System der Medienerschließung bilden Tafeln über den Regalblöcken, Fachbodenbeschriftung, Farbsignale und spezielle Aufkleber. Eine besonders kuschelige Ecke neben den Bilderbuchtrögen dient dem Verweilen von Eltern und ihren Kleinkindern, genauso freundlich werden jugendliche LeserInnen in der gegenüberliegenden Raumecke bedacht. Eine reiche Angebotspalette zeichnet die Öffentlichkeitsarbeit für diese Altergruppe aus. Interessierte merken sich einfach nur den Donnerstag, 15 Uhr vor, dann ist immer was los in der Bücherei: Bilderbuchkino für die ganz Kleinen, Vorlesen, Basteln, Umweltnachmittage und nicht zu vergessen die Auftritte von Theatergruppen und Autoren.

 

Während die Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre diese Ebene für sich haben und hier auch nicht unbedingt die Ruhe herrschen muss, die sich auf den anderen Ebenen der Arbeitswilligen wegen empfiehlt, steht den Erwachsenen mit drei weiteren Etagen Raum zur Verfügung zum Auswählen von Medien für Aus- oder Fortbildung, zur Bereicherung ihrer Freizeitgestaltung oder einfach zum Schmökern. Medien können bereits an Ort und Stelle genutzt werden, was bei Nachschlagewerken ohnehin die Regel ist, aber genauso für Kurzinformation vor dem Theaterbesuch der Fall sein kann oder bei der Suche nach Hilfen bei Nachbarschaftsquerelen.

 

Entsprechend der geänderten Nutzung öffentlicher Bibliotheken verteilen sich die Medien 1996 auf etwa 60 Prozent Sachliteratur, 20 Prozent Belletristik, 15 Prozent Kinder-/Jugendliteratur und 5 Sonstiges, also Zeitungen, Zeitschriften, Musikkassetten und Videos. Die Nutzung wird kontinuierlich beobachtet und für den weiteren Bestandsaufbau ausgewertet.

 

Die Medien für den Bereich Sachliteratur befinden sich sowohl im Erdgeschoss, dort sind es die besonders intensiv frequentierten Sachgruppen sowie die allgemeinen Nachschlagewerke und Lose-Blatt-Sammlungen, im 1. Obergeschoss und ein Rest im 2. Obergeschoss. Nutzbar wird sie dem Leser durch Hinweistafeln, Regalbeschriftungen und natürlich Bibliothekskatalogen, wobei sich der Gesamtkatalog im Eingangsbereich befindet und ein Sachkatalog im 1. Obergeschoss. Einige Besonderheiten gibt es für einzelne Sachgruppen. Als Service, der besonders Schülern hilfreich ist, wurde Sekundärliteratur gekennzeichnet, sie erleichtert erheblich das Auffinden entsprechender Titel, im Bereich Kunst wurden entsprechend Werke von Kunstschaffenden kenntlich gemacht, im Bereich Geschichte ebenso historische Persönlichkeiten.

 

Ähnliche Hinweise für die Literaturauswahl befinden sich besonders zahlreich im zweiten Obergeschoss, welches mehrheitlich der Belletristik vorbehalten ist. Sogenannte Genreaufkleber ordnen hier das Bild der ansonsten unüberschaubaren Titelflut. Das trotzdem einzelne Autoren mitsamt ihren Titeln auffindbar bleiben, dafür sorgt der bereits genannte Autorenkatalog. Die Benennung der Genre geschah auf Anregung von interessierten LeserInnen  und kann sowohl erweitert wie auch rückgeführt werden, sollten sich die Themen ändern.

 

Alle Etagen sind mit Anleseplätzen versehen und erlauben bequeme Beschäftigung mit der Lektüre, dazu tragen auch die Teppichbeläge bei. Geräusche werden dadurch gedämpft. Große Fenster sorgen für möglichst viel Tageslicht welches das Anlesen augenfreundlicher sein lässt. Die Regale wurden spezialgefertigt, was die Trägerteile unschwer erkennen lassen, die die Rundung der Dachgiebel aufnehmen. Die Holzteile wurden korrespondierend zu den übrigen Raumfarben gebeizt und die Fachböden mit der Möglichkeit der Schrägauflage versehen, dies lässt Präsentationsvarianten zu. Die Wandnischen wurden ebenfalls mit Regalteilen versehen. Zur Auflockerung einer allzu strengen Reihung wurden Stellvarianten gewählt und dazwischen Möbel platziert, die eine Besonderheit bieten. Neben den üblichen Medien nämlich pflegt die Kreis- und Stadtbücherei ein Broschürenangebot, welches vom Nutzer bei den betreffenden Themen vorgefunden wird und im Gegensatz zur Ausleihliteratur in Besitz genommen werden kann. Solche Broschüren werden sowohl von öffentlichen Einrichtungen, wie auch privaten Herausgebern bezogen und zur Verfügung gestellt. Die Angebotspalette umfasst alle Themenbereiche: Es gibt Broschüren zur Lebensgestaltung im Alter genauso wie zur wirtschaftlichen Führung eines Betriebes oder Ratschläge für die Auswahl des richtigen Computerspiels für Kinder. Auch dieser Dienst unterliegt, genau wie die übrige Medienauswahl, der ständigen Überprüfung auf Aktualität und Nutzung.

 

Ein Bild von der Akzeptanz der Bibliothek 40 Jahre nach ihren bescheidenen Anfängen zeigt ein Blick auf die Statistik des Jahres 1995: Am 31.Dezember 1995 umfasste der Medienbestand 46.177 Einheiten, aktive Nutzer gab es 4.931, Entleihungen 132.709. Dazu kamen 777 Fernleihen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden 172 Veranstaltungen organisiert, die weitere 3.550 Besucher ins Haus holten.

 

Genau waren es 51 Klassenführungen, acht Autorenlesungen für Kinder oder Jugendliche, fünf Kindertheateraufführungen, zwei Autorenlesungen für Senioren und zwei Abendveranstaltungen, die Kleinkunst boten.

 

Im Rahmen des speziellen Kinderprogramms fanden 39 Nachmittagsveranstaltungen statt, als da sind Bilderbuchkino, Basteln, Vorlesen, Umweltaktionen und ähnliches, dazu noch 47 Treffen zur spielerischen Leseerziehung der Zwei- bis Vierjährigen mit Eltern. Die BibliotheksnutzerInnen kommen gleichbleibend zu 36 Prozent aus der unmittelbaren Kernstadt Erkelenz, 32 Prozent aus dem übrigen Stadtgebiet und 29 Prozent aus anderen Orten des Kreis Heinsberg. Die restlichen drei Prozent setzen sich zusammen aus BesucherInnen aus umliegenden Kreisen.

 

Lernecke

 

Die Nutzung der Kreis- und Stadtbücherei ist im Medienbereich kostenlos, lediglich bei Überschreitung der Ausleihzeit wird eine Mahngebühr erhoben. 1980 wurde diese Regelung beschlossen unter dem Aspekt der Leseförderung, die bereits zu diesem Zeitpunkt als Kulturgut der Attraktivität neuer Medien gegenüber einen schweren Stand hatte.
Folgerichtig heißt es, sowohl das bisher Erreichte ins rechte Licht zu setzen, wie auch Ausblicke auf die sich stetig wandelnde Informationsvermittlung aufzuzeigen. Hierher gehört der Hinweis, nicht länger die Nutzung technischer Möglichkeiten im Dienste der Kunden aufzuschieben.

 

Nicht nur Geschäftsunternehmen verlieren den Anschluss, wenn sie sich neuen Entwicklungen verschließen, genauso bleiben in einer Bibliothek Möglichkeiten ungenutzt, die anderswo gängige Praxis sind. Dadurch verliert die Kreis- und Stadtbücherei an Attraktivität und gerät gegenüber vergleichbaren Einrichtungen ins Hintertreffen. Dabei galt doch von Beginn an der Vorsatz, nicht nur die "üblichen Aufgaben einer gemeindlichen Bücherei" zu pflegen, sondern "auch die besonderen Aufgaben zu erfüllen, die über den Rahmen einer örtlichen Bücherei hinausgehen".

 

Die Bürgerinnen und Bürger haben durch die Nutzung Jahr für Jahr eine steigende Akzeptanz bewiesen, es bleibt weiterhin Sache der Politiker, kontinuierliches Gedeihen durch Engagement zu fördern. 'Die öffentliche Bibliothek braucht Politiker, die sie nicht durch Entzug von Mitteln schrumpfen lassen' heißt es in der Festschrift zur Neueröffnung am 11. März 1998. Die Bibliothek steigert vielfältig die Lebensqualität der Bürger und ist finanz- wie gesellschaftlich langfristig rentabel.

 

Heute wächst der öffentlichen Bibliothek eine neue Aufgabe zu. Der Verfall der Lesefähigkeit stellt sich als wachsendes Problem dar. Trotz allgemein hohen Bildungsniveaus nimmt auf der anderen Seite die Zahl der funktionellen Analphabeten alarmierend zu, und dabei ist es angesichts der sprunghaft steigenden Informationsflut notwendiger denn je, den Umgang mit derselben zu beherrschen.

 

Die Kreis- und Stadtbücherei Erkelenz besteht nun bereits über 50 Jahre. Gegründet wurde sie mit der pädagogisch motivierten Intention, möglichst frühzeitig an das sogenannte gute Buch heranzuführen. Diese Idee erfuhr schon frühzeitig eine Erweiterung, indem die allgemeine Informationsvermittlung zu einer essentiellen Aufgabe der Bibliothek wurde, dazu diente beispielsweise auch der schnellstmögliche Anschluss an den Leihverkehr der deutschen Bibliotheken. Heute erfährt der Aufgabenkanon eine weitere Variation, die durch die technischen Neuerungen der Informationsgesellschaft, deren Teil auch wir sind, zwingend wird.

 

Die unabhängige Bertelsmann-Stiftung prognostiziert Lesen als grundlegende kulturelle Fähigkeit, welche sowohl den Umgang mit den neuen Medien erst möglich macht - auch Computer müssen sprachlich beherrscht werden - wie auch die aktive Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen.

Nachsatz:

Am 28. April 2007 wurde aus der Kreis- und Stadtbücherei in einem feierlichen Akt nunmehr die alleinige Stadtbücherei Erkelenz.
Unter dem Motto: Wir kürzen den Namen - aber nicht das Angebt! waren zahlreiche Gäste zum Event geladen: Herr Bürgermeister Peter Jansen nahm symbolisch die nunmehr überzähligen Buchstaben von der Front des Gebäudes. Dabei wurde er zünftig von der heimischen Feuerwehr unterstützt, die ihn im Förderkorb an die Buchstabenzeilen führte. Der Straßenkünstler Tiftof erfreute Jung und Alt mit seiner akrobatischen Kunst während zum leiblichen Wohl im Bibliotheksgebäude Erfrischungen bereit standen. Zahlreiche Bürger nutzen das einmalige Angebot, einen Bibliotheksausweis - nur heute - kostenlos zu erwerben.