Starkes Bündnis für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe
pfeilbraunStarkes Bündnis für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

Starkes Bündnis für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

Als im Herbst 2015 auch nach Erkelenz viele Flüchtlinge kamen, ging eine Welle der Hilfsbereitschaft durch die Bevölkerung. Viele Menschen waren sofort bereit, etwas zu tun, um den Neuankömmlingen dabei zu helfen, sich zurechtzufinden. Ob das Einsammeln von Kleiderspenden, die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse, Hilfe bei Behördengängen, Suchen und Vermitteln von privatem Wohnraum, Schaffung von Freizeitangeboten, Dolmetscherdienste, vieles wurde und wird mit ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Unter dem Motto „Menschen stärken Menschen“ haben nun die Stadt Erkelenz, der Kinderschutzbund/ Ortsverband Erkelenz und der Arbeitskreis Flüchtlinge ein Bündnis geschaffen, das die Förderung und Stärkung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Erkelenz zum Ziel hat und Strukturen verbessern soll. Ein neuer Flyer informiert über Ziele und Aufgaben.

 

Helfer im Blick

„Auch Ehrenamtler brauchen Unterstützung“, so Dr. Hans-Heiner Gotzen, Erster Beigeordneter der Stadt. Besonders gelte das in der Flüchtlingsarbeit, wo die Helfer häufig mit unterschiedlichen Problemlagen konfrontiert sind, die sie nicht alleine lösen können. „Das Bündnis hat die Helfer im Blick“, betont auch Michael Kutz vom Kinderschutzbund. „Sie finden hier ein Forum, wo sie sich austauschen und voneinander profitieren können, wo sie aufgefangen und gestärkt werden.“ Neben dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch gehören auch Einzelgespräche, ein 24-stündiger telefonischer Notdienst für akute Krisenfälle, Fortbildungen zur Stärkung und Erweiterung von Kompetenzen, Beratung im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen und interkulturelle Schulungen zu den Aufgaben, die der Kinderschutzbund in das Bündnis einbringt. „Ganz wichtig ist es, den Ehrenamtlern zu helfen, die nötige Distanz zu wahren, sich selbst nicht zu überfordern, auch mal Nein zu sagen“, so Michael Kutz. Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe sei eine permanente Gratwanderung. Zu Beginn stehe hohes Engagement, dann folge irgendwann der Frust, „wenn festgestellt wird, dass die Flüchtlinge nicht mitmachen und zum Beispiel Freizeitangebote nicht annehmen oder nicht zu den Sprachkursen erscheinen.“ Der Helfer müsse seine Grenzen erkennen – „Ich kann das nicht“ -, wenn bestimmte Kompetenzen fehlen, und „den Mut haben, zu lassen.“

 

Professionell begleitet

Mit Bettina Königs konnte eine Expertin gewonnen werden, die die Gruppentreffen professionell leiten und fachliche Unterstützung in allen Bereichen gewährleisten wird. Die systemische Familientherapeutin stellt fest: „Viele Ehrenamtler gehen bis an ihre Erschöpfungsgrenze.“ Daher seien „Selbstreflexion, Abgrenzung und der Austausch von Kompetenzen und Stärken“ die Themen, um die es bei den Treffen gehen soll. „Helfen kann auch bedeuten, Verantwortung anderen zu überlassen, sonst zerbrechen sie daran.“

 

Eine zentrale Rolle in dem Bündnis nimmt Samira Meurer ein. Die Integrationskoordinatorin für Flüchtlinge bei der Stadt Erkelenz koordiniert die vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten und kümmert sich um ein Netzwerk von zurzeit mehr als achtzig bei der Stadt registrierten Flüchtlingshelfern. Vor ihrer Anstellung bei der Stadt war Samira Meurer selbst ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, daher kennt sie die Probleme der Ehrenamtler nur zu gut. „Überforderung besteht oft bei behördlichen Angelegenheiten, bei der Schulanmeldung, bei der Ausländerbehörde, im Jobcenter.“ Mit ihren arabischen Sprachkenntnissen kann Samira Meurer meist unbürokratisch Missverständnisse ausräumen. Eine Aufgabe der Integrationskoordinatorin ist die Leitung des „Arbeitskreises Flüchtlinge“, der vor zwei Jahren von den Kirchen ins Leben gerufen wurde, um die Aktivitäten zu bündeln. Nicht nur Hilfe annehmen, sondern auch etwas zurückgeben, wollten viele Flüchtlinge“, berichtet Meurer von ihren Erfahrungen.

 

„Integration hat vielfältige Herausforderungen und gelingt nur mit Ehrenamtlern“, bilanziert Dr. Hans-Heiner Gotzen. „Mit dem Bündnis ‚Menschen stärken Menschen‘ wollen wir ein gelingendes Konzept aufstellen, in dem sich Stadt und Kinderschutzbund kooperativ einbringen.“

 

Flyer soll informieren und motivieren

Der neue Flyer mit dem Titel „DAS EHRENAMT in der Flüchtlingsarbeit“ richtet sich an die im Arbeitskreis Flüchtlinge registrierten Helferinnen und Helfer sowie auch an Menschen, die zurzeit noch im Verborgenen wirken. Außerdem soll der Flyer dazu beitragen, andere Menschen zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu motivieren. Er liegt unter anderem im Bürgerbüro und in Wartezonen der Stadtverwaltung aus.

 

Weitere Informationen:

Stadt Erkelenz

Samira Meurer, Integrationskoordinatorin für Flüchtlinge

Tel.: 02431/85-207; E-Mail: samira.meurer@erkelenz.de

 

Kinderschutzbund Erkelenz

Tel. 02431/980296, E-Mail: info@kinderschutzbund-erkelenz.de

 

 

Starkes Bündnis für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

Bündnis für das Ehrenamt:

v.l.n.r.:  Bettina Königs, systemische Familientherapeutin; Claus Bürgers, Leiter des Amtes für Kinder, Jugend, Familie und Soziales; Samira Meurer, Integrationskoordinatorin; Michael Kutz, Kinderschutzbund Erkelenz; Erster Beigeordneter Dr. Hans-Heiner Gotzen